 |  | | Schülerin Helena Wahner (17) trifft ihre Wahl am Computer. |
VON GERKO NAUMANN
GEHRDEN. Fast könnte man die provisorischen Wahlkabinen im Computerraum der Schule mit echten verwechseln. Einen entscheidenden Unterschied gibt es dann aber doch: Statt zwei Kreuzen auf einem Blatt Papier machen die Jungen und Mädchen zwei Mausklicks am Computer. „Die Auswertung läuft online über die Wahlzentrale in Berlin ab, jeder Schüler muss sich vor der Abstimmung ausweisen“, sagt Eckhard Winter.
Der Politiklehrer organisiert die Juniorwahl gemeinsam mit seinem Kollegen Peter-Michael Jensch bereits seit 2002. Er legt großen Wert darauf, dass die Wahl unter möglichst realistischen Bedingungen simuliert wird. Jedem Schüler der neunten bis 13. Klassen erklärt er vor der Stimmabgabe, dass die Teilnahme an dem Projekt freiwillig ist. Dennoch liegt die Wahlbeteiligung mit annähernd 100 Prozent in einem Bereich, von dem Bundespolitiker nicht mal zu träumen wagen.
Ziel der Juniorwahl sei es, die Jugendlichen früh daran zu gewöhnen, dass sie ihr Bürgerrecht wahrnehmen sollten. Im Politikunterricht haben die Lehrer alle Parteien und deren Programme mit den Gymnasiasten behandelt und analysiert, um den Schülern die Wahl zu erleichtern. „Außerdem wollen wir damit verhindern, dass das Projekt zu einer Spaßveranstaltung verkommt“, sagt Winter.
Das Ergebnis der Wahl am Gehrdener Gymnasium steht zwar heute Abend bereits fest, es wird jedoch wie ein Staatsgeheimnis gehütet. „Erst nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend dürfen unsere Auszählungen veröffentlicht werden“, sagt Winter. So solle ausgeschlossen werden, dass sich andere von der Abstimmung der Schüler beeinflussen lassen. Ab Montag können die Schüler dann überprüfen, inwieweit sie mit der politischen Meinung der rund 62 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland über- einstimmen.
Die Umfrage: Welche politischen Themen liegen Schülern besonders am Herzen?
Thomas Salzbrunn (17), Northen:
"Ich finde, dass Politik grundsätzlich mehr in den Blickpunkt der Gesellschaft gerückt werden sollte. Besonders interessieren mich aktuelle Fragen zur Jugend- und Bildungspolitik und die Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise."
Malte Lorenz (17), Ronnenberg:
"Wenn ich Bundeskanzler wäre, würde ich die Bildungspolitik in Deutschland grundsätzlich revolutionieren. Nicht die Länder, sondern der Bund sollte die Fäden in der Hand halten. So wäre das Bildungswesen einheitlicher und fairer"
Patricia Kornacker (14), Gehrden:
"Die wichtigsten Themen sind für mich der Naturschutz und die Umweltpolitik. Ich würde mich dafür einsetzen, dass die Autos weniger Schadstoffe ausstoßen. Außerdem sollten die Leute das Auto auch öfter mal stehen lassen."
Josephine Klein (14), Ronnenberg:
"Ich würde mich für ein kostenloses Erststudium einsetzen. Auch Kinder aus sozial schwächeren Familien sollten einen guten Abschluss machen können. Die Bildung darf auf keinen Fall abhängig vom Geldbeutel der Eltern sein."
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